Parkett im Winter: Warum Fugen entstehen – und was wirklich hilft

Parkett im Winter: Wohnzimmer mit Luftbefeuchter und Hygrometer

Sobald die Heizung läuft, klingelt bei uns das Telefon: „Mein Parkett hat Risse!“ Die gute Nachricht vorweg: In den allermeisten Fällen sind das keine Risse, sondern Fugen – und die sind bei Holz ein ganz natürlicher Vorgang. Wir erklären, warum das so ist und wie Sie Ihren Boden gut durch den Winter bringen.

Holz atmet – auch unter Lack

Holz nimmt Feuchtigkeit aus der Raumluft auf und gibt sie wieder ab. Ist die Luft feucht, quillt es leicht; ist sie trocken, schwindet es. Parkett wird mit einer Holzfeuchte von rund 8–9 % geliefert und verlegt. Das passt zu einem Raumklima von etwa 20 °C und 50–60 % relativer Luftfeuchte.

Im Sommer liegt die Luftfeuchte oft deutlich höher, im Winter sinkt sie durch das Heizen stark ab – in beheizten Räumen nicht selten auf 35 % oder weniger. Das Holz trocknet dann nach, die einzelnen Stäbe oder Dielen werden etwas schmaler, und zwischen ihnen öffnen sich feine Fugen. Das gilt übrigens auch für lackiertes Parkett: Lack verzögert den Feuchteaustausch, verhindert ihn aber nicht.

Welche Fugen sind normal?

FugenbreiteEinschätzung
bis ca. 0,5 mmim Jahresverlauf normal – schließt sich meist im Frühjahr wieder
ca. 0,5 bis 1 mmauffällig – Raumklima prüfen und gegensteuern
über 1 mmzu viel – Ursache klären, meist dauerhaft zu trockene Luft

Fugen verteilen sich in der Regel gleichmäßig über die Fläche und sind kein Qualitätsmangel, sondern eine Eigenschaft des Naturmaterials. Breite, ungleichmäßige Fugen sind dagegen fast immer ein Zeichen für ein zu trockenes Raumklima.

So bringen Sie Ihr Parkett gut durch den Winter

  • Luftfeuchte messen: Ein einfaches Hygrometer kostet wenig und zeigt sofort, wie trocken es wirklich ist. Ziel: etwa 50–60 % bei 18–22 °C.
  • Richtig befeuchten: Die kleinen Wasserbehälter am Heizkörper reichen nicht. Ein Zimmer von rund 16 m² braucht im Winter mehrere Liter Wasser pro Tag, um auf 45–50 % zu kommen. Bewährt haben sich Verdunster mit eingebautem Hygrostat. Wichtig: regelmäßig reinigen, Wasser wechseln, Filtermatten tauschen.
  • Stoßlüften statt Dauerkippen: Mehrmals täglich kurz und kräftig lüften, die Fenster nicht stundenlang gekippt lassen.
  • Fußbodenheizung sanft fahren: Zu Beginn der Heizperiode die Temperatur stufenweise erhöhen. Die Oberflächentemperatur des Parketts sollte höchstens etwa 25 °C betragen (Herstellerangabe beachten).
  • Teppiche und Möbel: Dicke Teppiche oder Einbauten auf beheizten Flächen führen zu Wärmestau – darunter entstehen eher Fugen.
  • Vor der Grundreinigung die Fußbodenheizung herunterregeln, damit Pflegemittel nicht zu schnell antrocknen.

Und wenn schon Fugen da sind?

Erst einmal Ruhe bewahren: Sind die Fugen gleichmäßig und unter einem halben Millimeter, gleicht sich vieles im Frühjahr von selbst aus. Wer im Winter konsequent befeuchtet, sieht oft schon nach einigen Wochen eine Verbesserung. Fugen jetzt zu verkitten ist keine gute Idee – im Sommer quillt das Holz wieder, und der Kitt kann herausgedrückt werden.

Bleiben die Fugen auffällig breit, schauen wir uns den Boden gern an. Häufig hilft schon eine Änderung beim Lüften, Heizen und Befeuchten.

Tipp für den Neukauf

Wer eine Fußbodenheizung hat, fährt mit Mehrschichtparkett, kleinen Formaten und ruhigen Holzarten wie Eiche besser als mit breiten Massivdielen oder stark arbeitenden Hölzern. Vollflächig verklebt bleibt das Parkett zudem ruhiger als schwimmend verlegt. Mehr dazu in unserem Beitrag „Bodenbelag auf Fußbodenheizung“.

Bauen im Winter: Vorsicht beim Estrich

Auch wer gerade baut oder saniert, sollte die kalte Jahreszeit im Blick haben. Frischer Estrich verträgt weder Frost noch große Hitze: Während des Einbaus und danach sollte die Raumtemperatur bei Zementestrich zwischen etwa 5 °C und 15 °C liegen, Zugluft ist zu vermeiden. Der Belag wird erst verlegt, wenn der Estrich belegreif ist – bei Fußbodenheizung erst nach dem Belegreifheizen und einer CM-Messung. Für die Verlegung selbst gilt als Faustregel: Estrichoberfläche ca. 18 °C, Raumluft unter 65 % relativer Feuchte.

Hinweis: Die genannten Werte sind übliche Richtwerte aus der Praxis. Maßgeblich sind immer die technischen Merkblätter der Hersteller und die geltenden Normen.

Unsicher, was bei Ihnen passt? Schicken Sie uns ein paar Fotos von Ihrem Raum – wir antworten persönlich während unserer Geschäftszeiten.

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